Pflücksalat, Rosenduft und Dreck unter den Nägeln

Home-OfficeGanz früher, da hatten wir noch entsetzlich viel unausgefüllte Zeit. Dann keimte ein Wunsch: Wir wollten einen Garten. Einen wirklich großen. Ums ganze Haus herum. Herrlich groß. Aberwitzig groß.
Was für ein Glück, dass wir ihn bekamen!
Jetzt haben wir den Salat… und noch vieles mehr: Gemüse und Giersch, englische Rosen und Birnengitterrost, fieses Springkraut, nützliches Gewürm und (zeitweilig) liebestolle Teichfrösche auf Besuch. Dazu gibt´s wohlige körperliche Erschöpfung bei gleichzeitig totaler mentaler Tiefenentspannung. Ach ja – und immerzu dieser Dreck unter den Fingernägeln von März bis November. Geschieht uns ganz recht, unser Gartenreich: Hände in der Erde, Blick im Grünen, Kopf frei. Wie gut sich das anfühlt, lest ihr in unregelmäßigen Abständen hier.

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Rarität im winterlichen Garten: Galanthus „Ailwyn“

Hoffen und Bangen: Jahr für Jahr dasselbe – kommen die heimlichen Stars unseres winterlichen Vorgartens auch diesmal wieder oder fühlen sie sich nicht mehr wohl bei uns? Galanthus „Ailwyn“ heißt die bezaubernde alte Schneeglöckchen-Sorte, die wir einst vor Jahren im Wald entdeckt hatten. Ursprünglich stammt das markante Geschöpf aus England: Es wurde erst 1994 von Richard Nutt auf dem Gelände der „Anglesey Abbey“ nahe dem englischen Cambridge gefunden und seinem Freund Lord Fairhaven gewidmet. Der Name kommt von „Aelfwine“, einer alten englischen Bezeichnung für „toller Freund“.

Wir waren wie verzaubert von ihrem Anblick und konnten den Blick (und die Finger) nicht von ihnen lassen und haben ein paar der winzigen Zwiebelchen behutsam in unseren Garten umgesiedelt.

Ein kleiner Tuff sprießt nun immer im Februar unterm Korkenzieher-Hasel, da, wo die Frühlingssonne zuerst den Boden erwärmt. Die wahre Pracht der gefüllten, grün gestreiften Blütenblätter erschließt sich dem Betrachter nur von unten – Glöckchen wollen bekanntlich hängen, um zu klingen.

Daher wundert euch nicht, wenn an sonnigen Wintertagen wie diesem heute, bei uns daheim trotz grimmiger Kälte jemand im Moos unterm Korkenzieherhaselstrauch kauert, die Nase auf Grashöhe und den Ailwyn-Glöckchen mitten ins gestreifte Herzchen guckt. Sie scheinen das zu mögen, denn sie klingeln gaaanz leise den Frühling herbei – wenn man aufmerksam lauscht, hört man es!

Mehr über Schneeglöckchen-Sorten und ihre Merkmale erfahrt ihr hier: https://books.google.de/books?id=3oZWCwAAQBAJ&pg=PT108&lpg=PT108&dq=anglesey+abbey+galanthus+ailwyn&source=bl&ots=-ahPUpItV3&sig=79BECpNbC7StlXChpHgKgR6K9SM&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwi7ivzhssvZAhWIvBQKHYO2A28Q6AEISDAK#v=onepage&q=anglesey%20abbey%20galanthus%20ailwyn&f=false

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Göttliche Alice: Nur gucken, nicht abschneiden!

„Schneidest du das tote Holz etwa nicht weg?“ fragte dieser Tage eine entfernte Tante auf Besuch mit dezentem Vorwurf in der Stimme, als wir unsere zu Eis erstarrte Grünzone besichtigten und ihr Blick über verschneite Gräserstauden hinweg stirnrunzelnd auf ein scheinbar vergammeltes kahles Gestrüpp mit dicklichem Fuß fiel. Als Schrebergartenbesitzerin kenne sie sich aus mit der Pflege, sagte sie lächelnd, nicht ohne hinzuzufügen, dass wir es offenbar beim Herbstputz wohl eher gemütlich hätten angehen lassen. Der Tadel saß und meine letzten Zweifel, es mit einer Anhängerin der Kahlschnitt-Fraktion zu tun zu haben, verflogen im eisigen Januarwind.

Deren Mitglieder halten (so meine Theorie) nämlich nicht nur Gemeinschaftstreppenhausstufen zuverlässig allwöchentlich blitzblank. Sie fegen, wienern und bohnern gleichsam auch in ihren Gärten, bis dort vor allem eins herrscht: Ordnung! Sauberkeit! Im Sommer beim Rasenkanten-abstechen und Unkrautvernichten, im Herbst beim Großreinemachen. Verblichenes Blühzeug fällt, kaum dass die letzte Schönheit verflogen ist, der Säuberungsaktion zum Opfer. Immer noch üppige, aber  nun vergilbte Gräserstauden werden – lange vor dem ersten Schnee – in Bodennähe abrasiert. Wenn der Winter ein Erbarmen hat, kommt er zeitig und deckt den Kahlschlag gnädig mit Schneeflocken zu. Wenn nicht, darbt das nackte Beet mit seinem zernarbtem Antlitz traurig dem fernen Frühling entgegen.

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Damit keine Missverständnisse aufkommen: Viele unserer Stauden sind geradezu dankbar,  wenn man sie nach der Vegetationsperiode vom schlappgewordenen Blattwerk befreit: Die Funkien etwa trennen sich, wenn ihre Zeit gekommen ist, schon auf  leichtes Zupfen hin von ihren welken irdischen Überresten, eine Schere braucht es nicht mal, um sie zu erlösen.

Dagegen trotzen Farne, Bambus und viele Gräserstauden überraschend standhaft klirrendem Frost und Schnee und halten während der eisigen Winterpause wacker die Stellung, wobei besonders die Blütenstände der Gräser bei Frost wie verzuckert erscheinen und hübsch in der Sonne glitzern. Getreu dem Pragmatismus meiner Oma seelig („Was stehen bleibt, darf stehenbleiben“) lassen wir daher bei der Wintervorbereitung der Grünzone eher sanfte Zurückhaltung walten und setzen die Gartenschere nur sparsam ein – sollte ein aufrechter Recke doch unter der Last des Schnees zu Boden gegangen sein sollte.  Oder die ausladenden Storchenschnabelnester, die danach lechzen, ihre weltliche Hülle hinter sich zu lassen. Dagegen bewahren die Rudbeckien, lange nachdem sie ihren gelben oder roten Sonnenhüte gegen ein braunschwarzes Winterkleid getauscht haben, überraschend gefestigt ihre Würde und kommen sogar, wenn der Frost sie verzuckert, als Hingucker nochmal richtig groß raus.

Ein Musterbeispiel für Standhaftigkeit bei Minusgraden ist unsere göttliche (aktuell aber eben eher unansehnliche)  „Alice Harding“. Mit dem Einzug dieser chinesischen Baumpäonie (lat. „paeonia suffruticosa“) begann vor genau zehn Jahren unsere Päonienleidenschaft. Klassische Pfingstrosen in rosa, weiß und pink hatten wir schon früher bei uns angesiedelt und sie erfüllten alljährlich zuverlässig die in sie gesetzten Erwartungen: Schossen schon im ersten Jahr üppig aus der Erde, grünten, blühten zuverlässig, erfreuten über den Sommer mit weiterem Blattwerk  und machten im Spätherbst in Ehren schlapp, bis die Gartenschere sie von ihrem Elend erlöste.

Paeonia "Alice Harding"

Chinesisches Feuerwerk in Gelb: Amazing „Alice Harding“

Madame Harding dagegen spannte uns nicht nur volle zwei Jahre auf die Folter, bis sie erstmals ihre göttlich-gelben voluminösen Blüten präsentierte: Kindskopfgroße Wunderwerke der Schöpfung, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen. Blüte um Blüte zaubert sie zur Saison im Frühsommer hervor, eine üppiger als die andere. Alice erwies sich auch als zähes Luder, wenn reihum die Blütenkollegen beim ersten Frost in die Knie gingen. Warf alle Blätter ab und erstarrte in, nun ja, mäßiger Schönheit. Der Pflanzenhof-Chef unseres Vertrauens hatte uns beim Kauf eindringlich gewarnt: „Nur gucken, aber bloß nicht runterschneiden im Herbst. Egal, wie trostlos sie aussieht!“ Eine ältere Stammkundin sei erst vor kurzem völlig aufgelöst bei ihm erschienen und habe den Tränen nahe um Rat gebeten: Ein unbedarfter, aber tatkräftiger Nachbarsjüngling, der im Herbstgarten ein bisschen helfen sollte, hatte ihre über 30jährige Baumpäonie bis ins Erdreich hinunter zurückgeschnitten und dann treuherzig versichert: „Keine Sorge, die kommt schon wieder im Frühling“.

Im Gegensatz zur gewöhnlichen Pflingstrose, die im Herbst komplett abgeschnitten wird und dann immer wieder neu aus dem Boden austreibt, verholzen nämlich die Triebe der langsam wachsenden Baumpäonie oberhalb des Erdreiches mit den Jahren. Aus den vermeintlich „toten“ Zweigen treibt die Pflanze dann im Frühjahr immer wieder neu (und üppiger) aus. Bei liebevollem Gewährenlassen erreicht die anspruchslose Staude an einem sonnigen Platz ohne Staunässe eine Höhe von bis zu zwei Metern. Von derlei Superlativen ist unsere Teenager-Alice noch einen guten Meter (und geschätzte 25 Jahre) entfernt. Was soll´s? Gras wächst auch nicht schneller, wenn man dran zieht, sagte meine Oma.

Angesichts solch närrischer Hoffnungen auf gärtnerische Satisfaktion am Sanktnimmerleinstag wandte sich die Tante kopfschüttelnd ab. „Also nein, da lob ich mir meine Geranien“, murmelte sie im Gehen.

Alice trug es mit Fassung.

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Warum die Paradeiser-Marmelade nur ein bisschen lügt

imageGeschicktes Marketing ist der halbe Verkaufserfolg. Das weiß jedes Kind und die Regel gilt für den Absatz unnützer Produkte, die eigentlich kein Mensch braucht, ebenso wie für die familiäre Vermarktung von Selbstgezogenem aus der Grünzone. Während die Zielgruppe, in unserem Fall der mäkelige Teenager mit Gemüsephobie und Grünzeug-Allergie, im ersten Fall von der medialen Werbung für jedes noch so überflüssige „Live-Hack“ problemlos zu begeistern ist, braucht es im zweiten Fall zumindest Trickserei, wenn nicht gar gezielte Irreführung. Nein, bitte kein Aufschrei, Lügen wäre doch ein zu hartes Wort. Eher schon handelt es sich um kreative Verschleierung. Unumgänglich sind leider öfters taktische Spielchen, etwa das Pürieren von pflanzlichen Zutaten (Zucchini!) im Essen, so dass keine Rückschlüsse auf die Identität des ursprünglichen Gewächses mehr möglich sind.

Ihre  wahre Natur nach Möglichkeit verleugnen muss bei der Zielgruppe leider auch die Tomate. Jene köstliche Gartenfrucht, deren geschmackliches Potenzial vom  Probanden nicht nur verkannt, sondern geflissentlich ignoriert wird. Weder frisch vom Strauch, noch als Suppe oder Soße gilt sie als genießbar, selbst Ketchup wird verschmäht – der paradiesische Apfel ist in jedm Aggregatszustand schlicht unvermittelbar. (Allenfalls in rudimentärer Menge dünn auf den Pizzaboden gekratzt, findet ein Hauch von Rot Gnade), aber das wollen wir jetzt mal vernachlässigen.

Angesichts der überaus üppigen Tomatenernte dieses heißen Sommers hat die Gärtnerin zu neuen Methoden der psychologischen Kriegsführung in Sachen Tomatenakzeptanz gegriffen. Mit vorzüglichem Erfolg! Gepriesen sei in diesem Zusammenhang der Reichtum der österreichischen Sprache, die uns neben der gemeinen Tomate auch den bei der Zielgruppe gottlob völlig unbekannten  Paradies-Apfel, oder besser: Paradeiser, geschenkt hat. Aus einfach Zutaten (geschälte, pürierte, durch ein Sieb passierte Tomaten, Zitronensaft, echtem Vanillemark und Gelierzucker) entstand eine göttliche, knallrote köstliche Konfitüre. Das mütterliche Herzklopfen, begleitet von einem Hauch schlechten Gewissens, bei der Präsentation am Frühstückstisch erwies sich als unbegründet. „Hmmmh, lecker“ sprach die arglose Zielgruppe, „was’n das?“ Und gab sich mit der ebenso vagen wie unbestimmten Auskunft „Naja, echte Vanille, Zitronensaft und diese Paradeiser natürlich…“ zufrieden. Keine misstrauische Nachfrage, kein Argwohn –  wohl auch, weil die Zielgruppe mit dem Schmieren des zweiten Paradeiser-Brötchens beschäftigt war.

PS: Der einzige Augenzeuge der tomatösen Vertuschungsaktion, der Vater der Zielgruppe, hat sich zum Glück zu absolutem Stillschweigen über die Zutaten der Paradeiser-Marmelade bereit erklärt. Unter der Bedingung, dass es nächstes Jahr wieder welche gibt. Das lässt sich machen.

 

 

 

 

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Video: Neulich im Wald hinter unserem Garten

Wenn im Sommergarten die Sonne gar zu heiß vom Himmel brennt, ist an Arbeit  garnicht zu denken. Dann zieht es die Gärtnerin gerne mal in den nahen Lieblingswald. 


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Video: Streifzug durch den Lieblingsgarten

Ein Bilder-Streifzug durch unseren sommerlichen Lieblingsgarten. Überall blüht und grünt es jetzt, entfalten unscheinbare Mauerblümchen,  blattgewaltige Schattenstauden und knallbunte Sonnenanbeter ihren ganz eigenen Charme. Kommt mit in den Garten und seht und staunt. ​​​

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Im Mohnparadies am Meißner

Ganz ohne Dreck unter den Fingernägeln ging das jüngste Abenteuer in der Grünzone vonstatten – ausnahmsweise nicht im eigenen Garten: Mohngucken auf den Schlafmohnfeldern in Germerode am Meißner. Wie im Rausch an Feldern mit Millionen rosa Blüten vorbei flanieren, sehen, staunen – und fotografieren und filmen bis die Linse glüht. Hier nochmal die schönsten Momente in meinem Video:

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Töpfe, Trichter, Suppenkellen, Siebe – ab in den Garten! 

Platz für Pflanzen ist bekanntlich auf dem kleinsten Fleck. Aber wer sagt denn, dass das Grünzeug immer in langweilige Töpfe gepflanzt werden muss. Wozu gibt es Kochtöpfe, Milchkannen, Suppenkellen, Trichter und alte Messbecher, aber auch Zinkwannen, Email-Eimer und sogar Badezuber? Sie alle machen als Pflanzgefäße eine gute Figur  – die meisten Küchenutensilien von Oma sind perfekt für den Garten und zum Wegwerfen viel zu schade. In Bäume und an Gitter oder in rankenden Wein gehängt, sind kleine, alte Blechgefäße echte Hingucker. 

Um ihnen neues Leben einzuhauchen, braucht es nur Phantasie, ein bisschen Erde-Sand-Gemisch für besonders kleine Behältnisse und evtl. eine Bohrmaschine, um Blech-Töpfe und Email-Gefäße mit Abflusslöchern zu versehen.  

Zum Bepflanzen sind Sukkulenten, die es auch mal verzeihen, wenn sie beim Gießen vergessen werden, bestens geeignet. Siebe und andere löchrige Utensilien lassen sich auch mit Moos auskleiden und dann mit Erde befüllen und mit Polsterstauden bepflanzen  – spannend, was da alles am und im Topf wächst!  
Aber auch kleine Funkien oder Polsterglockenblumen  gedeihen im Blechnapf, in Suppenkellen, Durchschlagsieben und Trichtern. ​​
 
…all diese Pflanz-Ideen funktionieren natürlich nur, wenn der Platz  in der Kelle noch frei ist. Wenn dort schon eine Maus wohnt, dann nicht. 🐭

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